Zoomies – warum Katzen plötzlich wie verrückt durch die Wohnung rennen

Veröffentlicht am 20. Januar 2026 um 06:53
Maine-Coon-Katze im Zoomies-Moment, die mit hoher Geschwindigkeit durch das Wohnzimmer rennt

Jeder Katzenhalter kennt diesen Moment: Ruhe, Stille – und plötzlich schießt die Katze los. Sie rennt durch die Wohnung, springt über Möbel, dreht abrupte Wendungen und wirkt, als würde sie etwas Unsichtbares jagen. Dieses Verhalten nennt man umgangssprachlich Zoomies – und es hat klare, natürliche Ursachen.

Katzen sind Jäger, auch wenn sie ausschließlich in der Wohnung leben. Fehlen tagsüber Bewegung, Spiel und geistige Reize, sammelt sich Energie an. Zoomies sind dann ein spontanes Ventil, um diese Energie loszuwerden. Besonders häufig sieht man dieses Verhalten bei jungen Katzen, Kitten und reinen Wohnungskatzen.

In der Natur bewegen sich Katzen nicht gleichmäßig. Lange Ruhephasen wechseln sich mit kurzen, intensiven Aktivitätsmomenten ab. Zoomies spiegeln genau dieses Muster wider: ein simuliertes Jagen, Hetzen und Ausweichen – nur ohne echte Beute.

Auffällig ist, dass Zoomies oft abends oder nachts auftreten. Katzen sind dämmerungsaktiv, ihr biologischer Rhythmus ist auf diese Zeiten eingestellt. Wenn der Tagesablauf nicht zu diesem Rhythmus passt, holt sich der Körper die Aktivität genau dann, wenn der Instinkt es vorgibt.

Nicht immer geht es dabei nur um Energie. Auch Aufregung, Stress oder Veränderungen im Umfeld können Zoomies auslösen. Neue Gerüche, Besuch, ein neues Tier oder eine ungewohnte Situation führen dazu, dass die Katze Spannung durch Bewegung abbaut.

In den allermeisten Fällen sind Zoomies völlig normal und kein Grund zur Sorge. Sie zeigen, dass das Nervensystem funktioniert und die Katze ein natürliches Bedürfnis nach Bewegung hat. Auffällig wird es erst, wenn sie extrem häufig auftreten, sehr chaotisch wirken oder mit Aggression und Selbstverletzung verbunden sind. Dann sollte man Umwelt, Routine und Belastungen genauer betrachten und gegebenenfalls tierärztlichen oder verhaltensmedizinischen Rat einholen.

Statt die Katze „beruhigen“ zu wollen, ist Vorbeugung der bessere Weg. Regelmäßiges Spiel mit der Angel, Klettermöglichkeiten, erhöhte Beobachtungsplätze und ein aktiver Spielmoment vor dem Schlafengehen helfen, überschüssige Energie gezielt abzubauen. So werden Zoomies oft kürzer, seltener – oder verschwinden ganz von selbst.

Zoomies sind kein Kontrollverlust. Sie sind die Sprache einer Katze, die sagt: Ich bin gesund, ich habe Energie und ich möchte mich katzengerecht bewegen. Unsere Aufgabe ist es, das zu verstehen – nicht es zu unterdrücken.

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