Als meine Katze geboren hat – und ich wieder Hebamme war

Veröffentlicht am 28. April 2026 um 06:39
Frau beugt sich über eine Maine Coon Katze, die ihre neugeborenen Kitten in einer warmen, ruhigen Umgebung stillt, liebevolle und emotionale Atmosphäre.

Es gibt Momente im Leben, die kommen unerwartet zurück. Man plant sie nicht, man bereitet sich nicht darauf vor – und plötzlich ist man wieder genau dort, wo man einmal war.

 

Eine meiner Katzen, in meiner eigenen Zucht geboren, hat zum ersten Mal geworfen. Es war ihr erster Wurf, und obwohl sie ruhig wirkte, spürte man sofort ihre Unsicherheit. Sie wusste nicht, was mit ihr passiert. Und genau in diesem Moment kam bei mir etwas zurück, das ich lange nicht gespürt hatte.

 

Ich habe seit fünfzehn Jahren nicht mehr im Kreißsaal gearbeitet. Und doch war plötzlich alles wieder da. Die Ruhe in stressigen Situationen, die Aufmerksamkeit für jede kleine Veränderung, dieses Gefühl, genau zu wissen, was jetzt wichtig ist. Es war, als hätte mein Körper sich erinnert.

 

Ich lag stundenlang neben ihr auf dem Boden. Ich konnte sie nicht allein lassen. Und jedes Mal, wenn ich für einen Moment aufstand, stand sie auf, kam zur Tür und miaute. Sie wartete auf mich. Als würde sie sagen: „Bleib bei mir.“ Und ich bin zurückgegangen.

 

Sie brauchte mich. Nicht nur als Beobachterin, sondern wirklich als Unterstützung. Während der Wehen habe ich sie am Hals gestreichelt, ruhig mit ihr gesprochen und war einfach da. Und dann passierte etwas, das ich nie vergessen werde.

 

Sie hat mich nicht gebissen. Aber sie hat meinen Arm genommen, genau wie Frauen im Kreißsaal es tun. Nicht aus Aggression, sondern aus Schmerz, aus Anspannung, aus dem Bedürfnis, etwas festzuhalten. In diesem Moment habe ich verstanden, dass das kein Unterschied ist. Dass Schmerz, Unsicherheit und Vertrauen keine Frage von „Mensch oder Tier“ sind.

 

Das erste Kitten war für sie am schwersten. Sie wusste nicht, was geschieht. Sie war unsicher, suchte meinen Blick. Ich habe ihr geholfen, habe die Kleinen genommen und sie zu ihr gelegt. Ich war einfach da – so wie ich es früher bei Frauen war.

 

Und in all dem habe ich etwas gespürt, das ich lange nicht gespürt habe: gebraucht zu werden. Nicht oberflächlich, nicht nur als Züchterin, sondern wirklich. In diesem Moment war ich wichtig für sie.

 

Es war mehr als nur ein Wurf. Es war Vertrauen. Nähe. Eine Verbindung, die man nicht erklären kann, sondern nur erlebt. Und vielleicht sind es genau diese Momente, in denen die Grenze zwischen Mensch und Tier keine Rolle mehr spielt. Weil am Ende nur das bleibt, was wirklich zählt: Nähe, Vertrauen und jemand, der da ist.

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