Du gehst morgens aus dem Haus. Deine Katze bleibt auf dem Sofa liegen und hebt nicht einmal den Kopf. Stunden später kommst du zurück – und plötzlich sitzt sie an der Tür, läuft dir hinterher oder erzählt dir lautstark, was während deiner Abwesenheit passiert ist.
Oder genau das Gegenteil: Du kommst nach Hause, rufst sie – und sie öffnet nur ein Auge, als wollte sie sagen: „Ach, warst du weg?“ 😸
Aber vermissen Katzen ihre Menschen wirklich? Oder warten sie nur darauf, dass jemand die Futterdose öffnet?
Katzen sind nicht so gleichgültig, wie wir lange dachten
Lange Zeit hielt sich die Vorstellung, Katzen seien unabhängig und eher an einen Ort als an einen Menschen gebunden. Aber so einfach ist es nicht.
Katzen können sehr starke Beziehungen zu Menschen aufbauen. Sie erkennen unsere Stimme, unseren Geruch und kennen unsere täglichen Rituale. Sie wissen, wann wir normalerweise aufstehen, wann es Futter gibt und wann wir gewöhnlich nach Hause kommen.
Der Mensch ist für eine Katze deshalb nicht nur „die Person, die das Futter bringt“. Er kann ein wichtiger Teil ihrer vertrauten Umgebung, ihres Alltags und ihres Sicherheitsgefühls sein.
Aber können wir das wirklich „Vermissen“ nennen?
Wir können natürlich nicht wissen, ob eine Katze Sehnsucht genauso empfindet wie ein Mensch. Sie kann uns schließlich nicht erzählen, was sie denkt, während wir nicht zu Hause sind.
Was wir beobachten können, ist ihr Verhalten.
Untersuchungen zum Verhalten von Katzen zeigen, dass manche Tiere nach einer längeren Trennung mehr Kontakt zu ihrem Menschen suchen. Bei einigen Katzen können sogar Probleme auftreten, die mit der Trennung von ihrer Bezugsperson zusammenhängen.
Ob eine Katze also am Fenster sitzt und tatsächlich denkt: „Wo bleibt mein Mensch?“, können wir nicht wissen.
Aber wir können durchaus erkennen, dass die Abwesenheit eines bestimmten Menschen ihr Verhalten verändern kann.
Jede Katze vermisst anders
Es gibt nicht die eine typische Art, wie eine Katze ihre Bindung zeigt.
Eine Katze wartet vielleicht an der Tür.
Eine andere läuft ihrem Menschen nach der Rückkehr überall hinterher.
Manche Katzen miauen plötzlich mehr, schlafen auf der Kleidung ihres Menschen oder suchen nach seiner Rückkehr besonders viel Körperkontakt.
Und dann gibt es natürlich noch die Katze, die oben auf dem Schrank liegt, ein Auge öffnet und so tut, als wäre ihr unsere Rückkehr vollkommen egal. 😹
Katzen haben unterschiedliche Charaktere und zeigen auch ihre Gefühle unterschiedlich.
„Meine Katze war beleidigt, weil ich weggefahren bin“
Diesen Satz hört man von Katzenhaltern ziemlich oft.
Nach einem Urlaub oder einer längeren Abwesenheit kann eine Katze tatsächlich anders reagieren als sonst. Manche suchen sofort Nähe, andere wirken zunächst zurückhaltend oder gehen ihrem Menschen scheinbar aus dem Weg.
Ob sie wirklich „beleidigt“ sind, ist eine andere Frage.
Wahrscheinlicher ist, dass sie auf die Veränderung ihres gewohnten Alltags reagieren. Während unserer Abwesenheit war vielleicht eine andere Person im Haus, die Fütterungszeiten waren etwas anders, der Tagesablauf hat sich verändert – und plötzlich kommen wir wieder zurück.
Auch unser Geruch kann nach einer Reise anders sein.
Manche Katzen brauchen einfach ein bisschen Zeit, bis ihre vertraute Welt wieder so ist, wie sie sie kennen.
Auch wenn ihr Gesichtsausdruck manchmal wirklich etwas anderes behauptet. 😸
Geruch spielt eine enorme Rolle
Für Katzen besteht ihre vertraute Welt zu einem großen Teil aus Gerüchen.
Deshalb schlafen manche Katzen während unserer Abwesenheit besonders gerne auf unserem Bett, auf einem Pullover, einer Jacke oder genau auf dem Platz, auf dem wir normalerweise sitzen.
Unser vertrauter Geruch gehört zu ihrer bekannten Umgebung und kann ihnen Sicherheit geben.
Und deshalb wird nach unserer Rückkehr natürlich auch sofort die Reisetasche kontrolliert.
Wo warst du?
Warum riechst du so?
Und vor allem: Warum wurde diese Reise eigentlich nicht vorher mit der Katze abgesprochen? 😹
Weiß eine Katze, wie lange wir weg waren?
Katzen zählen natürlich keine Stunden wie wir Menschen.
Aber sie kennen Routinen erstaunlich gut.
Sie wissen, wann normalerweise gefüttert wird. Sie kennen Geräusche und Abläufe im Haus und können sich daran orientieren, wann bestimmte Dinge normalerweise passieren.
Eine Katze weiß vielleicht nicht, dass es gerade 19:37 Uhr ist.
Aber sie kann durchaus merken:
„Um diese Zeit ist mein Mensch normalerweise schon da.“
Nicht jede Katze kommt gut mit dem Alleinsein zurecht
Viele Katzen verbringen einige Stunden allein zu Hause, ohne dass dies für sie ein Problem darstellt.
Aber nicht jede Katze kommt damit gleich gut zurecht.
Bei manchen können Verhaltensänderungen auftreten, zum Beispiel:
- starkes oder ungewöhnliches Miauen
- Unruhe
- Zerstören von Gegenständen
- Unsauberkeit
- Rückzug
- deutlich verändertes Verhalten
- übermäßiges Putzen
Wichtig ist dabei: Ein einzelnes Verhalten bedeutet noch lange nicht, dass eine Katze unter Trennungsproblemen leidet.
Gerade Veränderungen wie Unsauberkeit, starkes Putzen oder Rückzug können auch gesundheitliche Ursachen haben und sollten deshalb tierärztlich abgeklärt werden.
Man sollte also weder sofort sagen: „Meine Katze hat Trennungsangst“, noch Veränderungen ignorieren mit dem Gedanken:
„Das ist eine Katze. Katzen kommen allein klar.“
Wie viele Stunden kann eine Katze allein bleiben?
Darauf gibt es keine magische Zahl, die für jede Katze gilt.
Es hängt unter anderem vom Alter, Charakter, Gesundheitszustand, den bisherigen Erfahrungen, der Umgebung, Beschäftigung und der Beziehung zum Menschen ab.
Ein gesunder, ruhiger erwachsener Kater oder eine erwachsene Katze, die einen großen Teil des Tages schläft, kann mit einigen Stunden Alleinsein ganz anders umgehen als ein junges, energiegeladenes Kitten.
Deshalb finde ich die Frage:
„Wie viele Stunden darf eine Katze allein bleiben?“
eigentlich weniger wichtig als die Frage:
„Wie kommt meine Katze damit zurecht, allein zu sein?“
Denn genau darauf sollten wir achten.
Eine zweite Katze ersetzt nicht automatisch den Menschen
Eine Katze kann einen wunderbaren Katzenfreund haben und trotzdem ihren Menschen vermissen.
Das eine ersetzt nicht automatisch das andere.
Die Beziehung zwischen zwei Katzen ist etwas anderes als die Beziehung zwischen Katze und Mensch.
Eine stark menschenbezogene Katze kann mit einer anderen Katze spielen, schlafen und kommunizieren – und trotzdem an der Tür stehen, wenn ihr Mensch normalerweise nach Hause kommt.
Genauso kann ein Mensch nicht automatisch jede soziale Beziehung zu einer anderen Katze ersetzen.
Beides kann für eine Katze wichtig sein.
Was können wir tun, wenn unsere Katze häufig allein bleibt?
Wir können ihre Umgebung so gestalten, dass sie auch während unserer Abwesenheit Möglichkeiten zur Beschäftigung und zum Rückzug hat.
Kratzmöglichkeiten, erhöhte Plätze, sichere Spielsachen, Verstecke, gemütliche Schlafplätze und ein Fensterplatz zum Beobachten können den Alltag interessanter machen.
Aber mindestens genauso wichtig ist etwas anderes:
die Qualität der gemeinsamen Zeit.
Man kann zehn Stunden mit einer Katze im selben Haus sein und sich kaum mit ihr beschäftigen.
Oder man kommt nach der Arbeit nach Hause und schenkt ihr wirklich Aufmerksamkeit: spielt mit ihr, spricht mit ihr, streichelt sie und lässt sie am eigenen Alltag teilnehmen.
Katzen brauchen nicht rund um die Uhr unsere Aufmerksamkeit.
Aber sie brauchen Beziehung.
Das Schönste beginnt manchmal erst nach unserer Rückkehr
Du öffnest die Haustür.
Irgendwo hört man Schritte.
Vielleicht kommt eine Katze sofort angelaufen. Eine andere beginnt zu erzählen. Eine reibt sich an deinen Beinen und die nächste interessiert sich zunächst viel mehr für deine Tasche als für dich.
Und plötzlich fühlt sich das Zuhause wieder vollständig an.
Ob wir dieses Gefühl bei einer Katze wissenschaftlich wirklich „Vermissen“ oder „Sehnsucht“ nennen können, darüber kann man diskutieren.
Aber eines wissen wir:
Unsere Katzen bemerken unsere Anwesenheit.
Und sie bemerken auch unsere Abwesenheit.
Wir sind für sie nicht nur die Hand, die eine Futterdose öffnet.
Wir sind ein vertrauter Geruch, eine Stimme, ein tägliches Ritual, Sicherheit, Spiel, ein Schlafplatz neben uns und ein Teil ihrer täglichen Welt.
Und manchmal braucht man dafür gar keine wissenschaftliche Erklärung.
Man kommt nach Hause, setzt sich hin – und schaut einfach, wer wenige Minuten später neben einem liegt. ❤️🐾
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